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Prof. Dr. paed. Wolfgang Butzkamm an der Johannes-Gutenberg-Realschule in Hiltrup

 

 

 

Prof. em. Dr.  Wolfgang Butzkamm an der Johannes-Gutenberg-Realschule in HiltruIf we are a race that cannot learn, what will become of us?p
Foto mit freundlicher Genehmigung der Münsterschen Zeitung.

 

 

„J’accuse…!“ (2017)

„I accuse…!“

Warum scheitern in unseren Deutschkursen selbst hochqualifizierte und hochmotivierte, superfleißige Vierzigjährige, die sich hier eine Existenz aufbauen wollen?

Ich klage an,

alle, die schon jahrelang  Deutsch als Fremdsprache (DaF) nach dem Prinzip Alles-auf-Deutsch unterrichten (bzw. unterrichten lassen), zum Nachteil der Schüler.

Dazu gehören die in diesem Bereich Tätigen:

  • das Goethe-Institut

  • Sprachlehrzentren &  Sprachenakademien an Universitäten und Hochschulen

  • Volkshochschulen und weitere Anbieter von Sprachkursen

  • zahlreiche Lehrerausbilder an Universitäten und Schulen

  • Lehrwerkverlage

  • das BAMF

Denn sie hätten es besser wissen müssen. Stellvertretend für zahlreiche von mir vergeblich angeschriebenen Institute, Kolleginnen und Kollegen für das Gebiet Deutsch als Fremdsprache nenne ich hier nur den Vorstand  des Fachverbandes Deutsch als Fremdsprache (FaDaf) , der meine Mails vom November 2015 und Oktober 2016 unbeantwortet ließ.

Ich behaupte:

Alles-auf-Deutsch ist im digitalen Zeitalter eine Rücksichtslosigkeit, die immer noch als Methode firmiert. Der einsprachige Ansatz ist gerade für Anfänger und Sprecher von aus unserer Sicht „exotischen“ Sprachen grundverkehrt. Deutsche Schüler lernen Fremdsprachen in der Regel mithilfe deutscher Erklärungen. Warum sollen Migranten beim Deutschlernen ohne muttersprachliche Hilfen auskommen? Viele scheitern.

Ich schlage vor:

    • Die Lehrwerkverlage bieten bilinguale Vokabelanhänge, nach Lektionen geordnet, in zahlreichen Muttersprachen an, als kostenfreie Downloads oder als extra geheftete Listen.

    • Als Mindestforderung: Die Verlage bieten zweisprachige Listen von classroom phrases in möglichst vielen Sprachen an.

    • Lehrer bieten Auszeiten an, in denen einzelne Lernergruppen Unverstandenes untereinander mithilfe ihrer elektronischen Wörterbücher klären.

    • Lehrer zeigen Youtube-Videos zu gerade anstehenden grammatischen Themen in der Muttersprache einer Schülergruppe. Der Lehrer arbeitet derweil mit dem Rest der Klasse. Diese Videos sind von Muttersprachlern für deutschlernende Landsleute gemacht und sind z.T. schon millionenfach angeklickt (z.B die Webseiten von Deiaa Abdullah für Sprecher des Arabischen und die Seiten Almani be Farsi für Iraner). Für Schüler, die schon gut Englisch können, empfehlen sich auch die hervorragenden Lernvideos von smarterGerman.com. Ideal wäre natürlich, die Lehrer kündigen vorher ein neues grammatisches Thema an, und die Schüler bereiten sich zuhause darauf vor, mithilfe von Youtube-Videos oder auch mit muttersprachlichen Grammatiken des Deutschen, falls vorhanden.

    • Lehrer lassen sich von ehemaligen Schülern Übersetzungen von besonders ausgewählten guten Texten machen, die sie immer wieder erneut verwenden. Die Übersetzungen werden dann an die entsprechenden Lerner verteilt.

    • Entgegen dem Ratschlag des BAMF werden, wo möglich, Klassen mit Schülern derselben Muttersprache gebildet. Für sie wären Lehrwerke des Typs „Deutsch für Perser“ (z.B. das von Hossein Tavakkoly) oder „Deutsch für Araber“ ideal, also Lehrwerke, die in der Muttersprache der Lerner abgefasst sind. Hier können, wenn nötig,  ungewöhnliche fremdartige Konstruktionen durch muttersprachliche Spiegelungen (= Wort für Wort Übersetzungen) geklärt werden. Vier Beispiele, weil es so wichtig ist: In manchen  Sprachen heißt es nicht „Haben Sie einen Pass?“, sondern „Ist Ihnen Pass?“. Oder: In der Twi-Sprache werden Vergleiche wie „Kofi ist größer als ich“ wie folgt ausgedrückt: „Kofi groß übertreffen mich“.  Im Chinesischen wird der Plural nicht durch Endungen, sondern mittels eines eingefügten Messworts markiert. „Zwei Bücher“ ist dort wörtlich „zwei Band Buch“ oder „zwei Messer“ heisst wörtlich „zwei Griff Messer.“ So wie wir „zwei Stück Seife“ oder „zwei Riegel Schokolade“ sagen. In der Sprache der Ponca sagt man für „Ich habe eine Schwester“ so etwas wie  „Ich bin ge-schwestert.“ – Die muttersprachliche Spiegelung ist wie ein Schloss, der auf die fremde Konstruktion passt und sie aufschließt.  Auf diese Weise werden Sprachen füreinander transparent. Klarer geht’s nicht.

    • Da die Schüler aus unterschiedlichen Lernkulturen kommen, müssen ihnen solide, bewährte Selbstlerntechniken vorgeführt und nahegebracht werden, etwa die Read-and-look-up Technik.
    • Auf längere Sicht könnten die Lehrer sich auch mit einigen grammatischen Besonderheiten ihrer Schülersprachen vertraut machen, solchen, die immer wieder zu denselben auffälligen Fehlern im Deutschen führen.
    • Das BAMF möge die in mehr als 50 Sprachen vorliegenden zweisprachigen Bücher des Goethe-Verlags, die als Internetversion Migranten kostenlos zugänglich sind, für den Anfängerunterricht ausdrücklich empfehlen (obwohl sie nicht inhaltlich auf Migranten zugeschnitten sind). Sehr gut für den Einstieg ins Deutsche sind auch die handlichen Sprachführer „Erste Worte für einen guten Anfang“ (pointandtalk.de), die in 8 Sprachen vorliegen (z.B. Oromo), jeweils versehen mit Englisch als Brückensprache zum Deutschen.

    • Überzeugen Sie sich selbst. Lernen Sie Japanisch und gehen Sie in einen Kurs mit der Devise „Alles auf Japanisch.“
    • Fazit: Die Digitalisierung bietet heute schon die Chance, Unterrichten und Lernen auf den individuellen Lerner einigermaßen, jedenfalls besser als zuvor, zuzuschneiden. (Weiteres siehe Kap. 13: „Ideas for multilingual classes“ in Butzkamm & Caldwell, 2009, pp.229ff.)

Das Problem ist vielschichtig und der bilinguale Ansatz ist kein Allheilmittel gegen das Scheitern. Zumal in den Kursen auch Lerner sitzen, für die es keine Brückensprachen gibt und die auch in  Smartphones nicht nachschauen können, weil sie nicht alphabetisiert sind, auch nicht in ihrer Muttersprache. Für Deutschlehrer gibt es viel zu tun, nicht nur angesichts der unterschiedlichen Grammatiken, die wir im Ansatz verstehen und mit dem Deutschen abgleichen müssen. Enorm erschwerend kommen hinzu große Altersunterschiede der Lerner, Unterschiede in den Herkunftskulturen, unterschiedliche Motivation, Begabung und Vorkenntnisse (Alphabetisierung? Wieviel Schulerfahrung? unterschiedliche Verweildauer in Deutschland…). Wahrhaftig keine leichte Aufgabe.

Nachtrag. Ich sehe mich durch Anthony Pym (Tarragona) bestätigt: „If you accept that translations – certain kinds of translation, at least – play a role in language learning, it becomes crucial to provide translations for immigrant communities, and to do so in ways that enhance rather than restrict their learning of the “host” language.“ (2018)

Aufruf (2015)

Unterlassene Hilfeleistung

Der Deutschunterricht für Migranten kommt zu spät und könnte effektiver sein

Ich kenne Asylbewerber, die schon über ein Jahr bei uns sind und kaum ein Wort Deutsch sprechen. Sie warten oft monatelang, bis sie – bei erfolgreichem Abschluss des Asylverfahrens – ein Anrecht auf einen Sprachkurs bekommen.

Mittlerweise versuchen viele Deutsche mit Migranten schon in ihrer Wartezeit Kontakt aufzunehmen und vor allem sprachlich-kommunikativen Beistand zu leisten. Es müssten sich aber bei wachsendem Zustrom noch mehr beteiligen, so früh wie möglich. Und sie müssten, am besten über das Internet, mit einfachem Übungsmaterial und guten Ideen unterstützt werden.

Hier aber liegt ein zweites Problem. Seit Jahren verwenden die von den Kommunen bezahlten Sprachkurse vorwiegend einsprachige Lehrwerke deutscher Großverlage. Hier wird noch ein German-only Ansatz verfolgt, ohne die Herkunftssprachen der Teilnehmer zu berücksichtigen, analog zum English-only approach weltweit, der schon seit langem in die Kritik geraten ist.

Der einsprachige Ansatz ist jedoch für Anfänger grundverkehrt und führt bei vielen Teilnehmern zu erheblichen Frustrationen, trotz reich bebilderter Lehrbücher. Denn der sicherste, zuverlässigste und schnellste Einstieg in eine Fremdsprache führt über die Muttersprache, zur Not auch über eine andere, schon erlernte Sprache (z.B. Deutsch nach Englisch als lingua franca des 21. Jahrhunderts). Dem wird entgegen gehalten: Für die vielen unterschiedlichen Herkunftssprachen gibt es keine Sprachbrücke, die Lehrer und Schüler gemeinsam benutzen könnten, oft nicht einmal Wörterbücher.

Dennoch ist relativ schnelle Abhilfe möglich. Es wäre eine Reihe von Standarddialogen zusammenzustellen, die die wichtigsten Alltagssituationen erfassen. Sie kommen ähnlich in vielen Deutschlehrwerken vor (sich vorstellen, verabreden, telefonieren, Wegbeschreibung, beim Arzt usw.). Für einen schnellen, unproblematischen Einstieg ins Deutsche müssten sie auch in den Herkunftssprachen vorliegen. Zuwanderer, die schon lange im Lande sind und sich sprachlich wie kulturell integriert haben, könnten solche Übersetzungen einfacher Texte für Neuankömmlinge anfertigen. Man könnte eine zentrale Sammelstelle / Internetportal einrichten. Dies würde es auch vielen freiwilligen Helfern erlauben, die Texte, die die Zuwanderer ja anhand der Übersetzungen schon voll verstehen, über Vor- und Nachsprechen effektiv einzuüben. Schon jetzt könnten wir mit Wörtern und Phrasen z.B. aus der Serie Book2 des Goethe-Verlags arbeiten, wie auch mit kurzen, ausgewählten Passagen aus Texten, die schon in vielen Sprachen vorliegen, wie z.B. Der Kleine Prinz und natürlich auch ausgewählte Bibeltexte im modernen Deutsch, etwa die Gleichnisse vom Barmherzigen Samariter oder vom Verlorenen Sohn (www. Wikibiblia.de). Klar, dass insgesamt der Zuschnitt auf die besonderen sprachlichen Bedürfnisse von Migranten noch zu leisten ist. Sehr zu empfehlen sind auch die exzellenten Lehrfilme von smarterGerman, die geschickt und konsequent mit Englisch als Brückensprache operieren (auf youtube). Der Alles-auf-Deutsch Ansatz ist nicht immer eine Notwendigkeit, sondern oft nur eine Gedankenlosigkeit, die sich auch noch als Methode ausgibt. Es handelt sich schlicht um unterlassene Hilfeleistung. Siehe oben meine Rubrik Deutsch für Zuwanderer, Unterkapitel „Vorschläge...“.

Positiver Nebeneffekt: Wenn wir auf diese Weise an die Muttersprachen anknüpfen, bedeutet das auch eine Wertschätzung der Herkunftssprachen und -kulturen. Zudem ist eine individuelle Lernförderung besser möglich.  Ganz abgesehen davon, dass zweisprachig präsentierte Texte Flüchtlingen ein Stück Heimat in der Fremde bieten.

Nachtrag August 2015 und später. Endlich ein preiswerter Sprachkurs, der statt auf Touristen ganz auf die Bedürfnisse der Migranten zugeschnitten ist: Deutschkurs für Asylbewerber, Thannhauser Modell.  Als Brückensprache dient Englisch, mittlerweile auch Französisch, nicht nur bei den Kapitelüberschriften. Für das Kapitel “Ich arbeite als Hausmeister“ gibt es arabische Übersetzungen. Bitte mehr davon! (Eine deutsch-arabische Ausgabe liegt inzwischen vor!) Dazu Zeichnungen (statt Hochglanzphotos), die ebenfalls ein Verständnis anbahnen können. Noch fehlen hier und da lebendige Dialoge, die szenisches Lernen ermöglichen und richtig Spaß machen. Eine Gebrauchsanweisung für Lehrer und Helfer kann man aus dem Internet herunterladen. Sehr empfehlenswert! Die Flüchtlingshilfe München hat mittlerweile  für ein ähnlich aufgemachtes Heft sogar eine Deutsch-Tigrinische Version für Eritreer erstellt. Endlich tut sich was!

Alles auf Deutsch?  Im digitalen Zeitalter eine Rücksichtslosigkeit! Kursteilnehmer berichten.

Frau K., Russlanddeutsche, Integrationskurs / Deutschkurs der VHS 1995: „Ich habe oft nichts verstanden. Neben mir saß eine Frau, die war auch Deutschrussin, die hat manchmal gesagt, ‘die (Lehrerin) hat das, das, das gesagt, aber Entschuldigung, wenn ich das (für Sie) übersetze, dann verpass ich, was die weiter sagt‘… Wenn alles auf Deutsch und man versteht überhaupt nicht, was man sagt, z.B. wenn Sie jetzt, Herr Butzkamm, auf Englisch zu mir sagen, egal was, ich verstehe kein Wort,  auf Englisch, und das war genauso mit Deutsch.“

Shiraly aus Ost-Turkestan hat einen Kurs besucht (und selbst bezahlt), in dem der Lehrer nur Deutsch sprach.  Aber in der Pause kamen die Teilnehmer  zum Lehrer und fragten ihn auf Englisch nach englischen Übersetzungen.

Achmed, Syrer, Integrationskurs der VHS 2015: „There are a lot of things I don’t understand during the course, and I depend on my friend for advice and to explain to me many, many things … Some teachers speak slowly and they understand that you don’t understand. And they try to explain things by movements, by acting, to help you, and they try to use simple words… Sometimes pictures are enough, and sometimes not. They explain in Deutsch the pictures and sometimes it’s not enough.

Mohammad, Student aus Damaskus, fleißig und sprachbegabt: „Die Situation in der erste Sprachkurs (… )war nicht sehr gut, weil die Lehrerin spricht immer Deutsch und das war ja, schnell, nicht langsam Deutsch. Und wir verstehen nicht alle  und wir immer fragen, in Englisch zu sehen. Aber sie spricht nur ungerne Englisch, sie erklärt in Deutsch aber das war nicht sehr gut und das war sehr üblich zu schreiben auf einen Papier und zu Hause übersetzen oder zu fragen mein Nachbar.“

Zusammengefasst berichtet er mir: „Es ist im Normalkurs verboten, ein Wörterbuch zu benutzen. So sagt mein Freund. In unserem Schnellkurs aber erlauben es alle drei Lehrer. Eine Lehrerin, sie ist Russin („sie hat in Russland gebort)“, übersetzt für eine, die auch Russisch spricht. Manchmal übersetze ich in Umgangsarabisch für meine Freunde, das ist besser als Hocharabisch.“

Das ist das – überraschenderweise auch vom Bamf empfohlene –  Helferprinzip. Die Syrer in seiner Gruppe halten zusammen. Einer sagt ein Wort, und andere, die’s wissen, sagen das arabische Wort oder rufen sich das englische Wort zu.  Im selben Kurs benutzt Nedal aus Aleppo die Google Übersetzer App auf seinem Smartphone. Mit dem Kopfhörer in einem Ohr hört er die Übersetzung ab, mit dem freien Ohr folgt er weiter dem Unterricht.

Mensur ist in seinem Kurs (2016) der einzige Eritreer. Auch er benutzt ein elektronisches Wörterbuch im Unterricht, das aber keine Übersetzungen in seiner Muttersprache Tigrinisch liefert. Er schlägt dann englische, zuweilen auch arabische und amharische Übersetzungen (eine Nachbarsprache des Tigrinischen) nach. Nach dem Unterricht, z.B. im Bus, sieht er sich noch einmal die nachgeschlagenen Wörter an, die sein Wörterbuch gespeichert hat.

Fazit: Einige wissen sich zu helfen, andere scheitern, und das ist jammerschade. Sie scheitern nicht zuletzt an einer antiquierten, rigiden  Methodik, die verkennt, dass die Muttersprachen ein Kapital sind, das es einzusetzen gilt, wo immer es möglich ist.  Aber noch immer halten das BAMF, das Goethe-Institut und einige universitäre Sprachlehrzentren an dem Alles-auf-Deutsch Prinzip fest. Wie lange noch?

Nachtrag Juli 2016: Deutsch für Migranten – mehrsprachig – YouTube

https://www.youtube.com/watch?v=FdqhEVHjRyI

 

19 Gedanken zu „Willkommen

  1. Prof. Dr. Daniela Elsner

    Lieber Kollege Butzkamm,

    wie Recht Sie haben! Seit Jahren versuche ich die L1 der Kinder mit Migrationshintergrund mit in den Unterricht zu bringen… Leider ist das nicht immer ganz einfach – in Frankfurt haben wir Schulen mit 56 unterschiedlichen Muttersprachen. Allerdings können die Kinder selbst viel einbringen und ich betone hier gerne die Möglichkeiten, die die neuen Technologien mit sich bringen.
    Wir arbeiten hier derzeit in einem Projekt (LIKE), in dem wir die Bedeutung der L1 von türkischen Kindern (aber auch von deutschen Kindern) bei der Texterschließung englischer Texte untersuchen. Wir erkennen, dass die Kinder, wenn sie mit dreisprachigen Versionen arbeiten – Englisch, Deutsch, Türkisch – nicht nur auf die L2 Deutsch, sondern auch auf die L1 zurückgreifen – und dass sie das nicht davon abhält Englisch zu lernen – im Gegenteil, ihr Vokabelgewinn erhöht sich dadurch sogar! Zudem arbeiten wir gerade an einem EU Projekt, in dem wir nicht nur die modernen Fremdsprachen, sondern auch Herkunftssprachen in einem computerbasierten Sprachlernspiel integrieren http://melang-e.eu/!
    Vielen Dank für Ihr Engagement, Herr Butzkamm!

    Beste Grüße,
    Daniela Elsner, Uni Frankfurt

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Toll, wenn meine jahrelangen theoretischen Überlegungen sowie praktischen Erfahrungen und Beobachtungen auch mit Zahlen unterfüttert werden! Ich hoffe, die Ergebnisse können bald publiziert werden. Vielen Dank!

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    2. Henning Rossa

      I couldn’t agree more.
      Ich betreue in Dortmund gerade zwei Masterarbeiten, die sich um mehrsprachige Aufgaben für den Englischunterricht kümmern, in denen die L1 einzelner Lernender (Kurdisch, Türkisch, Griechisch) eine Rolle spielen. Hier ist der Grundgedanke: Die L1 als Ressource beim Fremdsprachenlernen zu begreifen UND das Fremdsprachenlernen als Gelegenheit weitere Sprachen (kennen) zu lernen.
      Herzliche Grüße
      Henning Rossa

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      1. WolfgangButzkamm Artikelautor

        Danke, Herr Rossa. Leider werden nach meiner Erfahrung den Studierenden an pädagogischen und sprachwissenschaftlichen Seminaren viel zu oft Themen gestellt, die an den eigentlichen Problemen vorbei gehen. Da wird viel Zeit und Mühe investiert in Magister- und Doktorarbeiten, die kaum was zur Verbesserung der Verhältnisse beitragen können.

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  2. Prof. Dr. em. Ludger Schiffler

    Die Argumentation der Kollegen Butzkamm kann ich in jedem Punkt nur unterstützen. Die Lehrunterlagen für Immigranten müssen zumindest in Englisch und Französisch in einer interlinearen Wort-für-Wort-Übersetzung, darunter in einer korrekten Übersetzung zur Verfügung stehen. Nur so werden sie zu einer hundertprozentigen „Lernhilfen“.
    Diese Unterlagen können dann als Vorlage für Übersetzungen in andere Herkunftssprachen dienen.

    Wenn solche Unterlagen nicht den Anfängern an die Hand gegeben werden, ist die Frustration gerade für den Anfänger vorprogrammiert. Unzählige erfolglose Unterrichtsstunden können so vermieden werden.

    Prof. Dr. em. Ludger Schiffler

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Das ist Wasser auf meine Mühle, besonders der Hinweis auf die Doppelübersetzung, wie sie auch die Kauderwelsch-Sprachführer konsequent anbieten. Ich halte das Doppelverstehen für die Grundbedingung des Spracherwerbs, sowohl notwendig wie hinreichend. Türkisch: karn-im aç heißt „ich habe Hunger“, wörtlich „Bauch-mein hungrig“, in der Tat eine hunderprozentige Lernhilfe. So kommt man weiter! Warum arbeitet man so nicht auch mit Flüchtlingen, die es ja schwer genug haben.
      Mille remerciements!

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  3. Markus Aretz

    Das mit den Dialogen, die schon übersetzt vorliegen, kann ich gut nachvollziehen, da ich auch schon als Sprachlehrer gearbeitet habe. Zur Zeit arbeite ich mit Migrantenkindern zusammen. Das Problem sind aber eher die Eltern, wie ich es sehe. Die Kinder lernen Deutsch an der Schule recht schnell. Die Eltern können es oft nur wenig und wollen sich nicht damit beschäftigen. Inwiefern man dort mit einer Internetseite tätig werden kann, muss man diskutieren. Würden die Betroffenen sie nutzen?

    Antworten
    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Bei Schulkindern sehe ich in der Tat weniger Probleme, auch wenn man Seiteneinsteigern gelegentlich sehr gezielt über die Muttersprache helfen könnte. Wenn sie deutlich in der Minderheit sind, ist der Wunsch dabei zu sein und mit zu machen, so groß, dass auch die Sprache aufgenommen wird. Außerdem: Die Masse der Sprachkontakte macht’s. Der Wille zur Sprache muss schon da sein. Ich kenne Zuwanderer, wo zu Hause nur russisch gesprochen wird und nur das russische Fernsehen läuft. Die Frau, die deutsch-russsisch aufwuchs, erledigt alle Behördengänge usw. Der Mann spricht kaum ein Wort Deutsch. Perhaps he is happy that way.

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  4. Johannes Schumann

    Danke für Ihren Aufruf, der viel lauter sein sollte! Und danke, dass Sie http://www.book2.de (books in 2 languages) erwähnen!

    Der Goethe Verlag versucht, mit Lehrmaterialien (in über 50 Sprachen und ca. 2500 Sprachkombinationen) bilinguale kostenlose oder sehr kostengünstige Materialien anzubieten, die für Ausländer ohne sprachliche und grammatische Vorkenntnisse geeignet sind.

    Probieren Sie http://www.book2.de selbst einfach einmal mt Ihrer Lieblingssprache aus… Wir glauben, dass diese Materialien besonders für Migranten aus aller Welt geeignet sind.

    Wir wünschen Ihnen, Herr Prof. Butzkamm, viel Erfolg bei dieser so wichtigen Initiative!

    Johannes Schumann

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Danke, Herr Schumann. Probieren geht über Studieren, in der Tat. Ich arbeite z.Zt. nur mit dem Heft Deutsch-Arabisch, mit einem Flüchtling aus Syrien. Ich wünschte mir, dass mehr Ehrenamtler die zweisprachigen Hefte ausprobieren und sich über ihre Arbeit austauschen. Studenten könnten im Rahmen von Seminararbeiten darüber berichten, vielleicht sogar Vergleiche anstellen zwischen einem konsequent bilingualen Ansatz (an dem es gewiss noch Dinge zu verbessern gibt) und der eher traditionellen Arbeit mit Lehrwerken, wo alles auf Deutsch geht. Kleine Forschungsbeiträge mit dem Ziel, in die Praxis hineinzuwirken und Lehrern wie Schülern die Arbeit zu erleichtern. Am besten wäre eine konzertierte Aktion, die ich aber als Emeritus nicht mehr bewältigen kann.

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  5. Luiza Ciepielewska-Kaczmarek

    Sie haben meine volle Unterstützung! Vielleicht wäre es sinnvoll Übungen zu entwickeln, die die Lerner sprachlich-kommunikativ tätig werden lassen. Wie bereits erwähnt wurde, ist das Sprachenlernen von Kindern vor allem durch höhere Kontaktzeit gekennzeichnet. Sie sind aber im Vergleich zu den erwachsenen Lernern auch experimentierfreudiger und so gehen sie auch mit der neuen Sprache um. Es ist eine Zumutung von den Erwachsenen zu verlangen, deren Sprachkurse bei 1-2 Wochenstunden liegen, dass sie aus den Einzelwörtern eine Zweit- oder noch seltener eine Fremdsprache herzaubern. Dass sie die Regeln selbst erschließen. Ich schließe mich Ihnen an: Aufgaben zum Doppelverstehen sind gefragt! Diese bringen das Lernen voran. Wie sehr habe ich mich in einem meiner Deutschkurse für polnische Lerner gewundert, dass nahezu alle Lerner Frühaufsteher waren. Als wir über den Alltag gesprochen haben, hatte sich herausgestellt, dass viele ihren Berufsalltag bereits halb sechs beginnen würden. Sie haben das englische half past six ins Deutsche übetragen. So wurde aus dem Deutschen halb sieben und Polnischen w pół do siódmej halb sechs. Bloße, meistens in tabellarischer Form zusammengestellte Einzelwörter in zwei oder mehr Sprachen sind hier fehl am Platz. Bedeutungen müssen mit dem Ausdruck zusammengebracht werden! Davon versuche ich auch meine Studierenden zu überzeugen. Ich hoffe wir kommen in der Ausbildung der künftigen Lehrer bald weg von der falsch verstanden Einsprachigkeit.

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Danke! Ja, Mißverständnisse gibt’s allerorten, und man kann sie schnell aufklären, wenn es schon ein Brückensprache zwischen Lehrer und Schüler gibt. Neulich stieß ich auf die Schwierigkeit morgen / morgens, am Morgen. Mit „meinem“ Westafrikaner, der etwas Französisch sprach, konnte ich das sofort klären: ‚morgen‘ ist ‚demain‘, ‚morgens‘ ist ‚le matin oder pendant la matinée‘. Sehr wichtig bei Verabredungen.

      Antworten
  6. Apurva Oka

    My name is Apurva Oka. I am an Indian citizen. I have done my schooling in my mother tongue and believe that education in mother tongue is the best for a child’s intellectual enhancement.

    I am writing to you to briefly describe the situation related to the subject in India, which is a multi-lingual country with 22 languages officially recognized by the government. In the last few decades, English has gained importance as being a global language, a language that many believe opens doors to bright careers for them. The main victim of this trend has been Education in India, where the dominance of English Medium is increasing. If we look at the metro cities, many reputed vernacular medium schools are shifting to English as medium of instruction.

    Central Board of Secondary Education, which is a central board of Indian Government, provides curriculum only in English. Amid such an environment, many parents are left with no option but to educate their child in a language he/she does not speak at home. The effect of all this is disastrous for the children,

    However, a limited percentage of parents still believe in mother tongue education and enroll their kids in such schools. In the absence of political support, even such schools are struggling to survive.

    It will be great if you can do something about it by either communicating with public at large or sharing your paper with applicable government bodies or schools in India. If you can, it will have a positive impact on the future of millions.

    Kind Regards,
    Apurva Oka

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Thank you for writing. There are dying species and there are dying languages. This is a pity. However, foreign „experts“ like me are no real help. It is the local communities themselves which must believe in their own languages, take pride in them, develop them, take concerted action and gather enough political momentum etc. The support must come from the people, the voters. I have no first-hand experience with projects to save endangered languages (perhaps apart from the situation in Wales and in Alsatia, France). I know that bilingual schools (preschool, primary and secondary) can succeed if sufficient time is allotted to both English and the native tongue. My advice is for you to google „endangered languages“ and learn from the various groups who started programmes to save their home languages. Incidentally, as I write, one thing comes to mind: You need books, for maths, chemstry…in the language concerned.

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  7. Hans Hyde

    Dear Dr. Butzkamm,

    Can you recommend a German language school in (or near) Bonn that subscribes to your philosophy of the mother-language as an important tool for learning German?

    I am 43, achieved a Bachelor’s degree in Environmental Engineering in 4 years after high school, then was top of my class during 2 years of full-time studies in Biology, Chemistry & Nursing when I was 30. Throughout my professional career, I have always been able to teach/explain complicated subjects or engineering to whoever I encountered professionally, regardless of their academic achievement in life. I know how to teach, understand the biochemistry/psychology of learning and I can look around a classroom and recognize who is understanding the material & who is lost.

    I am very logical in my general thinking (very German actually! 1st generation German via my mother but never heard a German sentence as a child in the US) and I can „see“ how German language structure is very similar to [American] English. However, I cannot „put it together“ and map it over the fundamental framework of my ML when it is constantly thrown at me through the „nur Deutsche“ ideology of DalsF coursebooks; „teachers“, often more „native German speakers“ than trained teachers; the Deutsch als Fremdsprache „Institution“, which places the „German Language“ atop some golden pedestal as some subject unique unto itself; and lastly, the indoctrinated German public that wouldn’t dare to question „nur Deutsch“ teaching, even though if they learn another language, explanations are in their ML, exercises are in the Target Language.

    Attempting to learn here in Germany, since May, has been a costly & time wasting disaster.

    (…)
    When I came to Germany to learn German, I had invested 500+ hours on online learning resources to gain the basics. A 1000+ hours more here, trying to learn the language, not how Facebook or Twitter or The Internet or The German School System works as „examples“ of the German language. I have a mother language & knowledge of life already. I came here, knowing I wanted to „run a marathon“ and looking for a coach to help me train, as I know already how to walk, how to run, but not how to „run a marathon“. This entire experience here in Germany feels like I found a coach, but on the first day of training he/she cut off my legs, and said „Now we teach you how to grow new legs, teach you how to walk, then we teach you how to run, then we learn to run a marathon.“ The DalsF assumption being, your ML „legs“ are toxic and if you were to use then, well then „you are lazy“, therefore our only choice [the only German choice that is] is to cut them off from the beginning.

    It is no wonder so many English ML speakers give up learning German. If they live & work here for an international company, they don’t need it, business is conducted in English. If they have tried DalsF courses, they’ve likely given up in frustration that it is not the language being taught, but rather an indoctrination of „German culture“ and 10 layers of „politeness“ being taught in different verb forms & conjugations. The teaching/learning of German, DalsF, is far more difficult than the language itself, but DalsF is the only option available if one wants a group learning experience (which IMHO is actually needed).

    It’s an impossible Catch-22, where the needs of the student are secondary or tertiary or worse than the „nur Duetsch“ ideology!

    Thank you kindly and with much respect,
    Hans

    Antworten
    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Dear Hans,
      It is regrettable that so far you should have met only teachers who strictly follow a foreign-language-only approach. They should have known better if they had kept up with the research in the field. Alas, this research takes a lot of time to filter down into mainstream thinking. I am still waiting for a breakthrough.

      Unfortunately I don’t know of a German language school in or near Bonn that uses a modern bilingual approach. However, google Michael Schmitz in Berlin via smarterGerman. Michael Schmitz is the most successful German language coach I know. He only accepts clients with a good command of English because he has adopted a bilingual approach after years of trial and error. Lots of his materials are free of charge.

      Please keep me informed after you have tried his materials.

      I particularly like your image of the teacher who wants you to cut off your legs and grow new legs, instead of showing you how to run a different course with your own legs. This is grist for my mill, and right down my alley. I used a similar metaphor in my article “Why make them crawl if they can walk?” which can be downloaded freely from Researchgate. See also my Youtube-video “Double Scandal”. Yes, it is a scandal indeed that the monolingual approach still holds sway in so many countries. The mother tongue taboo is self-crippling, and a patent absurdity.

      Thank you for your contribution.

      Antworten
  8. Ramin Jafarizadeh

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Butzkamm,

    ich bin hundertprozentig für Ihren Ansatz, weil der Erfolg mit dieser Methode sich in meinem Unterricht nämlich, Deutsche Spreache im Iran – Deutsch auf Persisch – vollständig gezeigt hat. Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, wie man ohne Zuhilfenahme der Muttersprache jemandem eine Fremdsprache beibringen kann. Meiner Meinung nach haben die Befürworter der Einsprachigkeit das Ziel und den Weg zu diesem Ziel verwechselt.
    Ich wünsche Ihnen Gesundheit und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

    Herzliche Grüße

    Ramin Jafarizadeh

    Antworten
  9. Heidrun Tóth-Loesti

    Ich bin vor 25 Jahren als deutsche muttersprachliche Lektorin an ein ungarisches Fachgymnasium gekommen und sollte einfach mit den Schülern Deutsch sprechen. Diese Aufgabe habe ich bis heute nicht lösen können. Mein erster Schritt war, dass ich Ungarisch gelernt habe, um auch persönlichen Kontakt zu meinen Schülern aufbauen zu können. Ich bin zwar überzeugt davon, dass ich jedem alles auf Deutsch erklären kann, aber dazu braucht man erstens sehr, sehr viel Zeit und zweitens Klassen, die 45 Minuten lang aufmerksam zuhören, auch wenn sie gerade selbst nicht sprechen. Beides habe ich nicht, deshalb benutze ich Ungarisch in den Stunden und bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass ich deswegen kein schlechtes Gewissen mehr zu haben brauche!

    Antworten
  10. WolfgangButzkamm Artikelautor

    Das mit dem schlechten Gewissen habe ich schon mehrfach gehört und auch gelesen. Selbstzweifel können ja auch mal positiv sein. Man muss sich ja immer fragen, wo und wie die Muttersprache einzusetzen ist. Aber an diesem Punkt wird „offiziell“ immer noch viel zu viel Druck gemacht, falscher Druck, von Leuten, die schlicht uninformiert sind. Neue Erkenntnisse sickern eben nur langsam in die Lehrerausbildung und in den Unterrichtsalltag durch. Der berühmte Wirtschaftsphilosoph J. M. Keynes hat mal gesagt: „Die Schwierigkeit liegt meistens nicht in den neuen Ideen, sondern darin, von den alten wegzukommen.“ In Ihrem Fall – Deutsch für Ungarn – ist der Einsatz der L1 besonders angesagt, da wir es mit nichtverwandten Sprachen zu tun haben, die füreinander längst nicht so transparent sind als die Sprachenpaare Deutsch-Englisch und Deutsch-Französisch. Danke für die interessante Rückmeldung.

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