Die umgreifende, in der Erstsprache heranreifende Sprachlichkeit des Menschen ist das Fundament unserer Selbstwerdung und die unbefragte Voraussetzung alles Fremdsprachenlernens: We only learn language once.

Prof. Dr. paed. Wolfgang Butzkamm an der Johannes-Gutenberg-Realschule in Hiltrup

Prof. em. Dr.  Wolfgang Butzkamm an der Johannes-Gutenberg-Realschule in HiltruIf we are a race that cannot learn, what will become of us?p
Foto mit freundlicher Genehmigung der Münsterschen Zeitung.

„J’accuse…!“ (2017)

Warum scheitern in unseren Deutschkursen selbst hochqualifizierte und hochmotivierte, fleißige Vierzigjährige, die sich hier eine Existenz aufbauen wollen?

„I accuse…!“

Why do so many asylum seekers fail the official German courses, among them even highly qualified, highly motivated and hard-working migrants who are keen on starting a new life in Germany?

„J’accuse…!“(version française)

Pourquoi tant de demandeurs d’asile échouent-ils aux cours officiels d’allemand, parmi lesquels des migrants hautement qualifiés, très motivés et travailleurs, désireux de commencer une nouvelle vie en Allemagne?

تحمیل مسؤولیة

لماذا یخفق عدد كبیر من طالبي اللجوء في ألمانیا في دورات اللغة الألمانیة المقدمة من الحكومة الألمانیة؟ أحیانا یفشل أشخاص في
.الأربعین من عمرهم رغم أنهم مجتهدون و حملة كفاءات عالیة و لدیهم حافز كبیر لبدء حیاة جدیدة في ألمانیا

Ich klage an,

alle, die schon jahrelang  Deutsch als Fremdsprache (DaF) nach dem Prinzip Alles-auf-Deutsch unterrichten (bzw. unterrichten lassen), zum Nachteil der Schüler. 

Dazu gehören die in diesem Bereich Tätigen:

  • das Goethe-Institut
  • Sprachlehrzentren &  Sprachenakademien an Universitäten und Volkshochschulen
  • kommerzielle Anbieter wie Berlitz und Inlingua, die immer noch nach überholten direktmethodischen Prinzipien arbeiten
  • zahlreiche Lehrerausbilder an Universitäten und Schulen
  • Lehrwerkverlage
  • das BAMF

Denn sie hätten es besser wissen müssen und auf eine schwierige Situation flexibler reagieren müssen. Denn nur wer ihre Muttersprachen mit ins Spiel bringt, holt seine Schüler da ab, wo sie sind.

Ich behaupte:

„Alles-auf-Deutsch“ (und weltweit der English-only-approach) ist im digitalen Zeitalter eine Rücksichtslosigkeit, die immer noch als Methode firmiert. Der einsprachige Ansatz ist gerade für Anfänger und Sprecher von aus unserer Sicht „exotischen“ Sprachen grundverkehrt. Zumal diese Sprachen meist auch noch andere Schriftsysteme benutzen. Deutsche Schüler aber lernen Fremdsprachen in der Regel mithilfe deutscher Erklärungen. Warum sollen Migranten beim Deutschlernen ohne muttersprachliche Hilfen auskommen? Viele scheitern.

Ich schlage vor:

  • Die Lehrwerkverlage bieten Extra-Vokabelanhänge, nach Lektionen geordnet, in zahlreichen Muttersprachen an.
  • Als Mindestforderung: Die Verlage bieten Listen von classroom phrases in vielen Sprachen an.
  • Lehrer bieten Auszeiten an, in denen einzelne Lernergruppen Unverstandenes untereinander mithilfe ihrer elektronischen Wörterbücher klären.
  • Lehrer zeigen Youtube-Videos zu gerade anstehenden grammatischen Themen in der Muttersprache einer Schülergruppe. Der Lehrer arbeitet derweil mit dem Rest der Klasse. Diese Videos sind von Muttersprachlern für deutschlernende Landsleute gemacht und sind z.T. schon millionenfach angeklickt (Arabisch / Persisch). Ideal wäre natürlich, die Lehrer kündigen vorher ein neues grammatisches Thema an, und die Schüler bereiten sich zuhause darauf vor, mithilfe von Youtube Videos oder auch mit muttersprachlichen Grammatiken des Deutschen, falls vorhanden.
  • Lehrer lassen sich von ehemaligen Schülern Übersetzungen von besonders ausgewählten guten Texten machen, die sie immer wieder erneut verwenden und an ihre neuen Schüler
  • Migranten arbeiten selbständig mit Google Translator. Sie erfinden kurze Alltagsgespräche in ihrer Muttersprache. Alles, was sie gerne sagen möchten. Dann mit Google Translator satzweise ins Deutsche übersetzen. Wenn möglich, den deutschen Text von einem Muttersprachler korrigieren lassen und mit einem Partner üben / im Unterricht vorspielen.
  • Entgegen dem Ratschlag des BAMF werden, wo möglich, Klassen mit Schülern derselben Muttersprache gebildet. Für sie wären Lehrwerke des Typs „Deutsch für Perser“ (z.B. das von Hossein Tavakkoly) oder „Deutsch für Araber“ ideal, also Lehrwerke, die in der Muttersprache der Lerner abgefasst sind. Hier können, wenn nötig,  ungewöhnliche fremdartige Konstruktionen nicht nur durch normale Übersetzungen, sondern auch durch muttersprachliche Spiegelungen (= Wort für Wort Übersetzungen) geklärt werden. Das ist das Prinzip des Doppelverstehens, die Grundbedingung des Spracherwerbs.
  • Beispiele: Wir sagen „Wolkenkratzer“, andere sagen dafür „Himmel-Kratzer“ oder auch „Kratz (den) Himmel“. In manchen  Sprachen heißt es nicht „Haben Sie einen Pass?“, sondern „Ist Ihnen Pass?“. Oder: In der Twi-Sprache werden Vergleiche wie „Kofi ist größer als ich“ wie folgt ausgedrückt: „Kofi groß übertreffen mich“.  Im Chinesischen wird der Plural nicht durch Endungen, sondern mittels eines eingefügten Messworts markiert. „Zwei Bücher“ ist dort wörtlich „zwei Band Buch“ oder „zwei Messer“ heisst wörtlich „zwei Griff Messer.“ So wie wir „zwei Stück Seife“ oder „zwei Riegel Schokolade“ sagen. In der Sprache der Ponca sagt man für „Ich habe eine Schwester“ so etwas wie  „Ich bin ge-schwestert.“ –  Auf diese Weise werden Sprachen füreinander transparent. Klarer geht’s wohl
  • Da die Schüler aus unterschiedlichen Lernkulturen kommen, müssen ihnen solide, bewährte Selbstlerntechniken vorgeführt und nahegebracht werden, etwa die Read-and-look-up
  • Auf längere Sicht könnten die Lehrer sich auch mit einigen grammatischen und phonetischen Besonderheiten ihrer Schülersprachen vertraut machen, solchen, die immer wieder zu denselben auffälligen Fehlern im Deutschen führen.
  • Lehrbücher für Fortgeschrittene bieten landeskundliche Texte zu Themen wie Parteien, Gewerkschaften usw. an. Schüler könnten sich darauf vorbereiten, indem sie Wikipedia-Artikel in ihrer Muttersprache zu denselben Themen lesen. Das hilft,  die deutschen Texte besser zu verstehen.
  • Das BAMF möge die in mehr als 50 Sprachen vorliegenden zweisprachigen Bücher des Goethe-Verlags, die als Internetversion Migranten kostenlos zugänglich sind, für den Anfängerunterricht ausdrücklich empfehlen. Sehr gut für den Einstieg ins Deutsche sind auch die Sprachführer „Erste Worte für einen guten Anfang“ (de), die in 8 Sprachen vorliegen (z.B. Oromo), jeweils versehen mit Englisch als Brückensprache zum Deutschen.
  • Überzeugen Sie sich selbst. Lernen Sie Japanisch und gehen Sie in einen Kurs mit der Devise „Alles auf Japanisch.“
  • Die Digitalisierung bietet heute schon die Chance, Unterrichten und Lernen einigermaßen, jedenfalls besser als zuvor, auf den individuellen Lerner zuzuschneiden.

Inzwischen belegen zahlreiche Studien die Wirksamkeit zweisprachiger Lehrtechniken (Butzkamm & Caldwell 2009). Die Zeit ist reif für einen Paradigmenwechsel. Das Muttersprachentabu muss vom Tisch. Allerdings: Das Problem ist vielschichtig und der bilinguale Ansatz ist kein Allheilmittel gegen das Scheitern. Für Deutschlehrer gibt es viel zu tun, nicht nur angesichts der unterschiedlichen Grammatiken, die wir im Ansatz verstehen und mit dem Deutschen abgleichen müssen. Enorm erschwerend kommen hinzu große Altersunterschiede der Lerner, Unterschiede in den Herkunftskulturen, unterschiedliche Motivation, Begabung und Vorkenntnisse (Alphabetisierung? Wieviel Schulerfahrung? Unterschiedliche Verweildauer in Deutschland…). Wahrhaftig keine leichte Aufgabe.

Nachtrag Juli 2016: Deutsch für Migranten – mehrsprachig – YouTube

https://www.youtube.com/watch?v=FdqhEVHjRyI

19 Gedanken zu „Die umgreifende, in der Erstsprache heranreifende Sprachlichkeit des Menschen ist das Fundament unserer Selbstwerdung und die unbefragte Voraussetzung alles Fremdsprachenlernens: We only learn language once.

  1. Prof. Dr. Daniela Elsner

    Lieber Kollege Butzkamm,

    wie Recht Sie haben! Seit Jahren versuche ich die L1 der Kinder mit Migrationshintergrund mit in den Unterricht zu bringen… Leider ist das nicht immer ganz einfach – in Frankfurt haben wir Schulen mit 56 unterschiedlichen Muttersprachen. Allerdings können die Kinder selbst viel einbringen und ich betone hier gerne die Möglichkeiten, die die neuen Technologien mit sich bringen.
    Wir arbeiten hier derzeit in einem Projekt (LIKE), in dem wir die Bedeutung der L1 von türkischen Kindern (aber auch von deutschen Kindern) bei der Texterschließung englischer Texte untersuchen. Wir erkennen, dass die Kinder, wenn sie mit dreisprachigen Versionen arbeiten – Englisch, Deutsch, Türkisch – nicht nur auf die L2 Deutsch, sondern auch auf die L1 zurückgreifen – und dass sie das nicht davon abhält Englisch zu lernen – im Gegenteil, ihr Vokabelgewinn erhöht sich dadurch sogar! Zudem arbeiten wir gerade an einem EU Projekt, in dem wir nicht nur die modernen Fremdsprachen, sondern auch Herkunftssprachen in einem computerbasierten Sprachlernspiel integrieren http://melang-e.eu/!
    Vielen Dank für Ihr Engagement, Herr Butzkamm!

    Beste Grüße,
    Daniela Elsner, Uni Frankfurt

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Toll, wenn meine jahrelangen theoretischen Überlegungen sowie praktischen Erfahrungen und Beobachtungen auch mit Zahlen unterfüttert werden! Ich hoffe, die Ergebnisse können bald publiziert werden. Vielen Dank!

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    2. Henning Rossa

      I couldn’t agree more.
      Ich betreue in Dortmund gerade zwei Masterarbeiten, die sich um mehrsprachige Aufgaben für den Englischunterricht kümmern, in denen die L1 einzelner Lernender (Kurdisch, Türkisch, Griechisch) eine Rolle spielen. Hier ist der Grundgedanke: Die L1 als Ressource beim Fremdsprachenlernen zu begreifen UND das Fremdsprachenlernen als Gelegenheit weitere Sprachen (kennen) zu lernen.
      Herzliche Grüße
      Henning Rossa

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      1. WolfgangButzkamm Artikelautor

        Danke, Herr Rossa. Leider werden nach meiner Erfahrung den Studierenden an pädagogischen und sprachwissenschaftlichen Seminaren viel zu oft Themen gestellt, die an den eigentlichen Problemen vorbei gehen. Da wird viel Zeit und Mühe investiert in Magister- und Doktorarbeiten, die kaum was zur Verbesserung der Verhältnisse beitragen können.

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  2. Prof. Dr. em. Ludger Schiffler

    Die Argumentation der Kollegen Butzkamm kann ich in jedem Punkt nur unterstützen. Die Lehrunterlagen für Immigranten müssen zumindest in Englisch und Französisch in einer interlinearen Wort-für-Wort-Übersetzung, darunter in einer korrekten Übersetzung zur Verfügung stehen. Nur so werden sie zu einer hundertprozentigen „Lernhilfen“.
    Diese Unterlagen können dann als Vorlage für Übersetzungen in andere Herkunftssprachen dienen.

    Wenn solche Unterlagen nicht den Anfängern an die Hand gegeben werden, ist die Frustration gerade für den Anfänger vorprogrammiert. Unzählige erfolglose Unterrichtsstunden können so vermieden werden.

    Prof. Dr. em. Ludger Schiffler

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Das ist Wasser auf meine Mühle, besonders der Hinweis auf die Doppelübersetzung, wie sie auch die Kauderwelsch-Sprachführer konsequent anbieten. Ich halte das Doppelverstehen für die Grundbedingung des Spracherwerbs, sowohl notwendig wie hinreichend. Türkisch: karn-im aç heißt „ich habe Hunger“, wörtlich „Bauch-mein hungrig“, in der Tat eine hunderprozentige Lernhilfe. So kommt man weiter! Warum arbeitet man so nicht auch mit Flüchtlingen, die es ja schwer genug haben.
      Mille remerciements!

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  3. Markus Aretz

    Das mit den Dialogen, die schon übersetzt vorliegen, kann ich gut nachvollziehen, da ich auch schon als Sprachlehrer gearbeitet habe. Zur Zeit arbeite ich mit Migrantenkindern zusammen. Das Problem sind aber eher die Eltern, wie ich es sehe. Die Kinder lernen Deutsch an der Schule recht schnell. Die Eltern können es oft nur wenig und wollen sich nicht damit beschäftigen. Inwiefern man dort mit einer Internetseite tätig werden kann, muss man diskutieren. Würden die Betroffenen sie nutzen?

    Antworten
    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Bei Schulkindern sehe ich in der Tat weniger Probleme, auch wenn man Seiteneinsteigern gelegentlich sehr gezielt über die Muttersprache helfen könnte. Wenn sie deutlich in der Minderheit sind, ist der Wunsch dabei zu sein und mit zu machen, so groß, dass auch die Sprache aufgenommen wird. Außerdem: Die Masse der Sprachkontakte macht’s. Der Wille zur Sprache muss schon da sein. Ich kenne Zuwanderer, wo zu Hause nur russisch gesprochen wird und nur das russische Fernsehen läuft. Die Frau, die deutsch-russsisch aufwuchs, erledigt alle Behördengänge usw. Der Mann spricht kaum ein Wort Deutsch. Perhaps he is happy that way.

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  4. Johannes Schumann

    Danke für Ihren Aufruf, der viel lauter sein sollte! Und danke, dass Sie http://www.book2.de (books in 2 languages) erwähnen!

    Der Goethe Verlag versucht, mit Lehrmaterialien (in über 50 Sprachen und ca. 2500 Sprachkombinationen) bilinguale kostenlose oder sehr kostengünstige Materialien anzubieten, die für Ausländer ohne sprachliche und grammatische Vorkenntnisse geeignet sind.

    Probieren Sie http://www.book2.de selbst einfach einmal mt Ihrer Lieblingssprache aus… Wir glauben, dass diese Materialien besonders für Migranten aus aller Welt geeignet sind.

    Wir wünschen Ihnen, Herr Prof. Butzkamm, viel Erfolg bei dieser so wichtigen Initiative!

    Johannes Schumann

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Danke, Herr Schumann. Probieren geht über Studieren, in der Tat. Ich arbeite z.Zt. nur mit dem Heft Deutsch-Arabisch, mit einem Flüchtling aus Syrien. Ich wünschte mir, dass mehr Ehrenamtler die zweisprachigen Hefte ausprobieren und sich über ihre Arbeit austauschen. Studenten könnten im Rahmen von Seminararbeiten darüber berichten, vielleicht sogar Vergleiche anstellen zwischen einem konsequent bilingualen Ansatz (an dem es gewiss noch Dinge zu verbessern gibt) und der eher traditionellen Arbeit mit Lehrwerken, wo alles auf Deutsch geht. Kleine Forschungsbeiträge mit dem Ziel, in die Praxis hineinzuwirken und Lehrern wie Schülern die Arbeit zu erleichtern. Am besten wäre eine konzertierte Aktion, die ich aber als Emeritus nicht mehr bewältigen kann.

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  5. Luiza Ciepielewska-Kaczmarek

    Sie haben meine volle Unterstützung! Vielleicht wäre es sinnvoll Übungen zu entwickeln, die die Lerner sprachlich-kommunikativ tätig werden lassen. Wie bereits erwähnt wurde, ist das Sprachenlernen von Kindern vor allem durch höhere Kontaktzeit gekennzeichnet. Sie sind aber im Vergleich zu den erwachsenen Lernern auch experimentierfreudiger und so gehen sie auch mit der neuen Sprache um. Es ist eine Zumutung von den Erwachsenen zu verlangen, deren Sprachkurse bei 1-2 Wochenstunden liegen, dass sie aus den Einzelwörtern eine Zweit- oder noch seltener eine Fremdsprache herzaubern. Dass sie die Regeln selbst erschließen. Ich schließe mich Ihnen an: Aufgaben zum Doppelverstehen sind gefragt! Diese bringen das Lernen voran. Wie sehr habe ich mich in einem meiner Deutschkurse für polnische Lerner gewundert, dass nahezu alle Lerner Frühaufsteher waren. Als wir über den Alltag gesprochen haben, hatte sich herausgestellt, dass viele ihren Berufsalltag bereits halb sechs beginnen würden. Sie haben das englische half past six ins Deutsche übetragen. So wurde aus dem Deutschen halb sieben und Polnischen w pół do siódmej halb sechs. Bloße, meistens in tabellarischer Form zusammengestellte Einzelwörter in zwei oder mehr Sprachen sind hier fehl am Platz. Bedeutungen müssen mit dem Ausdruck zusammengebracht werden! Davon versuche ich auch meine Studierenden zu überzeugen. Ich hoffe wir kommen in der Ausbildung der künftigen Lehrer bald weg von der falsch verstanden Einsprachigkeit.

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Danke! Ja, Mißverständnisse gibt’s allerorten, und man kann sie schnell aufklären, wenn es schon ein Brückensprache zwischen Lehrer und Schüler gibt. Neulich stieß ich auf die Schwierigkeit morgen / morgens, am Morgen. Mit „meinem“ Westafrikaner, der etwas Französisch sprach, konnte ich das sofort klären: ‚morgen‘ ist ‚demain‘, ‚morgens‘ ist ‚le matin oder pendant la matinée‘. Sehr wichtig bei Verabredungen.

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  6. Apurva Oka

    My name is Apurva Oka. I am an Indian citizen. I have done my schooling in my mother tongue and believe that education in mother tongue is the best for a child’s intellectual enhancement.

    I am writing to you to briefly describe the situation related to the subject in India, which is a multi-lingual country with 22 languages officially recognized by the government. In the last few decades, English has gained importance as being a global language, a language that many believe opens doors to bright careers for them. The main victim of this trend has been Education in India, where the dominance of English Medium is increasing. If we look at the metro cities, many reputed vernacular medium schools are shifting to English as medium of instruction.

    Central Board of Secondary Education, which is a central board of Indian Government, provides curriculum only in English. Amid such an environment, many parents are left with no option but to educate their child in a language he/she does not speak at home. The effect of all this is disastrous for the children,

    However, a limited percentage of parents still believe in mother tongue education and enroll their kids in such schools. In the absence of political support, even such schools are struggling to survive.

    It will be great if you can do something about it by either communicating with public at large or sharing your paper with applicable government bodies or schools in India. If you can, it will have a positive impact on the future of millions.

    Kind Regards,
    Apurva Oka

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    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Thank you for writing. There are dying species and there are dying languages. This is a pity. However, foreign „experts“ like me are no real help. It is the local communities themselves which must believe in their own languages, take pride in them, develop them, take concerted action and gather enough political momentum etc. The support must come from the people, the voters. I have no first-hand experience with projects to save endangered languages (perhaps apart from the situation in Wales and in Alsatia, France). I know that bilingual schools (preschool, primary and secondary) can succeed if sufficient time is allotted to both English and the native tongue. My advice is for you to google „endangered languages“ and learn from the various groups who started programmes to save their home languages. Incidentally, as I write, one thing comes to mind: You need books, for maths, chemstry…in the language concerned.

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  7. Hans Hyde

    Dear Dr. Butzkamm,

    Can you recommend a German language school in (or near) Bonn that subscribes to your philosophy of the mother-language as an important tool for learning German?

    I am 43, achieved a Bachelor’s degree in Environmental Engineering in 4 years after high school, then was top of my class during 2 years of full-time studies in Biology, Chemistry & Nursing when I was 30. Throughout my professional career, I have always been able to teach/explain complicated subjects or engineering to whoever I encountered professionally, regardless of their academic achievement in life. I know how to teach, understand the biochemistry/psychology of learning and I can look around a classroom and recognize who is understanding the material & who is lost.

    I am very logical in my general thinking (very German actually! 1st generation German via my mother but never heard a German sentence as a child in the US) and I can „see“ how German language structure is very similar to [American] English. However, I cannot „put it together“ and map it over the fundamental framework of my ML when it is constantly thrown at me through the „nur Deutsche“ ideology of DalsF coursebooks; „teachers“, often more „native German speakers“ than trained teachers; the Deutsch als Fremdsprache „Institution“, which places the „German Language“ atop some golden pedestal as some subject unique unto itself; and lastly, the indoctrinated German public that wouldn’t dare to question „nur Deutsch“ teaching, even though if they learn another language, explanations are in their ML, exercises are in the Target Language.

    Attempting to learn here in Germany, since May, has been a costly & time wasting disaster.

    (…)
    When I came to Germany to learn German, I had invested 500+ hours on online learning resources to gain the basics. A 1000+ hours more here, trying to learn the language, not how Facebook or Twitter or The Internet or The German School System works as „examples“ of the German language. I have a mother language & knowledge of life already. I came here, knowing I wanted to „run a marathon“ and looking for a coach to help me train, as I know already how to walk, how to run, but not how to „run a marathon“. This entire experience here in Germany feels like I found a coach, but on the first day of training he/she cut off my legs, and said „Now we teach you how to grow new legs, teach you how to walk, then we teach you how to run, then we learn to run a marathon.“ The DalsF assumption being, your ML „legs“ are toxic and if you were to use then, well then „you are lazy“, therefore our only choice [the only German choice that is] is to cut them off from the beginning.

    It is no wonder so many English ML speakers give up learning German. If they live & work here for an international company, they don’t need it, business is conducted in English. If they have tried DalsF courses, they’ve likely given up in frustration that it is not the language being taught, but rather an indoctrination of „German culture“ and 10 layers of „politeness“ being taught in different verb forms & conjugations. The teaching/learning of German, DalsF, is far more difficult than the language itself, but DalsF is the only option available if one wants a group learning experience (which IMHO is actually needed).

    It’s an impossible Catch-22, where the needs of the student are secondary or tertiary or worse than the „nur Duetsch“ ideology!

    Thank you kindly and with much respect,
    Hans

    Antworten
    1. WolfgangButzkamm Artikelautor

      Dear Hans,
      It is regrettable that so far you should have met only teachers who strictly follow a foreign-language-only approach. They should have known better if they had kept up with the research in the field. Alas, this research takes a lot of time to filter down into mainstream thinking. I am still waiting for a breakthrough.

      Unfortunately I don’t know of a German language school in or near Bonn that uses a modern bilingual approach. However, google Michael Schmitz in Berlin via smarterGerman. Michael Schmitz is the most successful German language coach I know. He only accepts clients with a good command of English because he has adopted a bilingual approach after years of trial and error. Lots of his materials are free of charge.

      Please keep me informed after you have tried his materials.

      I particularly like your image of the teacher who wants you to cut off your legs and grow new legs, instead of showing you how to run a different course with your own legs. This is grist for my mill, and right down my alley. I used a similar metaphor in my article “Why make them crawl if they can walk?” which can be downloaded freely from Researchgate. See also my Youtube-video “Double Scandal”. Yes, it is a scandal indeed that the monolingual approach still holds sway in so many countries. The mother tongue taboo is self-crippling, and a patent absurdity.

      Thank you for your contribution.

      Antworten
  8. Ramin Jafarizadeh

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Butzkamm,

    ich bin hundertprozentig für Ihren Ansatz, weil der Erfolg mit dieser Methode sich in meinem Unterricht nämlich, Deutsche Spreache im Iran – Deutsch auf Persisch – vollständig gezeigt hat. Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen, wie man ohne Zuhilfenahme der Muttersprache jemandem eine Fremdsprache beibringen kann. Meiner Meinung nach haben die Befürworter der Einsprachigkeit das Ziel und den Weg zu diesem Ziel verwechselt.
    Ich wünsche Ihnen Gesundheit und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

    Herzliche Grüße

    Ramin Jafarizadeh

    Antworten
  9. Heidrun Tóth-Loesti

    Ich bin vor 25 Jahren als deutsche muttersprachliche Lektorin an ein ungarisches Fachgymnasium gekommen und sollte einfach mit den Schülern Deutsch sprechen. Diese Aufgabe habe ich bis heute nicht lösen können. Mein erster Schritt war, dass ich Ungarisch gelernt habe, um auch persönlichen Kontakt zu meinen Schülern aufbauen zu können. Ich bin zwar überzeugt davon, dass ich jedem alles auf Deutsch erklären kann, aber dazu braucht man erstens sehr, sehr viel Zeit und zweitens Klassen, die 45 Minuten lang aufmerksam zuhören, auch wenn sie gerade selbst nicht sprechen. Beides habe ich nicht, deshalb benutze ich Ungarisch in den Stunden und bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass ich deswegen kein schlechtes Gewissen mehr zu haben brauche!

    Antworten
  10. WolfgangButzkamm Artikelautor

    Das mit dem schlechten Gewissen habe ich schon mehrfach gehört und auch gelesen. Selbstzweifel können ja auch mal positiv sein. Man muss sich ja immer fragen, wo und wie die Muttersprache einzusetzen ist. Aber an diesem Punkt wird „offiziell“ immer noch viel zu viel Druck gemacht, falscher Druck, von Leuten, die schlicht uninformiert sind. Neue Erkenntnisse sickern eben nur langsam in die Lehrerausbildung und in den Unterrichtsalltag durch. Der berühmte Wirtschaftsphilosoph J. M. Keynes hat mal gesagt: „Die Schwierigkeit liegt meistens nicht in den neuen Ideen, sondern darin, von den alten wegzukommen.“ In Ihrem Fall – Deutsch für Ungarn – ist der Einsatz der L1 besonders angesagt, da wir es mit nichtverwandten Sprachen zu tun haben, die füreinander längst nicht so transparent sind als die Sprachenpaare Deutsch-Englisch und Deutsch-Französisch. Danke für die interessante Rückmeldung.

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